Enzberger Orgel gründlich aufgefrischt

Über ein halbes Jahrhundert ist die Orgel in der Enzberger Kirche alt. Mittlerweile war das 1963 gebaute Instrument jedoch in die Jahre gekommen:  Wie der Orgelsachverständige in seinem Gutachten von Februar 2012 feststellte, war die Orgel in einem stark verschmutzten und abgenutzten Zustand. Auch die technische Konstruktion und die verwendeten Materialien wiesen deutliche Defizite auf. So war etwa die Spielmechanik aus Kunststoff und Aluminium gefertigt worden und dadurch nicht nur unpräzise, sondern auch sehr geräuschvoll. Die Füße der großen Zinnpfeifen in der Prospektfront waren eingesunken und diese Pfeifen drohten abzustürzen.
Nach einer Ausschreibung zur Sanierung des Instrumentes im Juni 2012 entschied sich die Kirchengemeinde für das Angebot von Orgelbaumeister Friedrich Lieb aus Bietigheim-Bissingen. Viele Wochen arbeitete er mit seinen Mitarbeitern in diesem Sommer an dem Instrument. Nun sind die Arbeiten fertiggestellt und am 4. September erfolgte die Abnahmeprüfung durch den Orgelsachverständigen, KMD Burkhart Goethe aus Schwäbisch Hall. Hier ein Auszug aus seinem Abnahmebericht:

"Orgelbaumeister Lieb und seine Mitarbeiter haben das zuvor stark verbrauchte Instrument wieder in einen sehr guten Zustand versetzt. Durch den Austausch der Aluminiumdrähte und der Kunststoffwinkel gegen Holzwinkel und Holzabstrakten hat die Sensibilität der Spielart für die Organistinnen und Organisten ganz erheblich gewonnen, sodaß nun von einer »spielfreudigen und geräuscharmen  Traktur« gesprochen werden kann. Auch die Beleuchtung im Bereich der Spielanlage wurde erneuert und deutlich verbessert.
Die geleisteten technischen Arbeiten stellten eine besondere Herausforderung für die Orgelbauer dar. Die immer wieder auftretenden Schwierigkeiten in der über 50 Jahre alten Orgel wurden mit großem Fleiß und handwerklichen Können gemeistert.
Das auch klanglich zuvor wenig überzeugende Instrument wurde von dem als Intonateur zugezogenen Orgelbaumeister Fritz Seredsus gründlich in seiner Intonation überarbeitet. Die sehr dünnen Grundstimmen erhielten deutlich mehr Volumen, sodaß die Orgel nun auch den Gemeindegesang besser zu tragen vermag. Ein allzu scharf klingendes Zimbelregister im Brustwerk wurde entfernt und durch die Farbregister (Sesquialtera 2fach und Quinte 1 1/3´) ersetzt,  sodaß nun eine ausdrucksvolle Möglichkeit für die Zeichnung von Solo-Linien zur Verfügung steht.
Die Orgel dürfte durch diese sorgfältige Nach- und Neuintonation jetzt weitaus bessere Klangeigenschaften aufweisen als bei ihrer Einweihung 1963.
Die Kirchengemeinde ist zu ihrem nun warm und füllend klingenden, betriebssicheren Instrument zu beglückwünschen! Orgelbaumeister Lieb und seine Mitarbeiter haben hier hervorragende Arbeit geleistet.
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Die Orgel hat 17 Register, verteilt auf zwei Manualen und Pedal und insgesamt 1053 Pfeifen, darunter 86 Pfeifen aus Holz. Die längste Pfeife mißt knapp 3 Meter, die kürzeste nur wenige Zentimeter. Die Renovierungsarbeiten an der Orgel kosteten (als Festpreis) 34.059,00 Euro. Sämtliche Kosten für Orgeln und Glocken werden in der württembergischen Landeskirche nicht aus Kirchensteuermitteln bezahlt, sondern sind von den Kirchengemeinden selbst aufzubringen, also ausschließlich aus Spenden der Gemeindemitglieder.