Reformationsfest

„Nun freut euch, lieben Christen g'mein..."
(Evangelisches Gesangbuch 341)

Am 31. Oktober feiert die evangelische Kirche den Reformationstag. Sie erinnert an die Reformation der Kirche durch Martin Luther. Am 31. Oktober 1517 soll Martin Luther seine berühmten 95 Thesen an die Tür der Schlosskirche in Wittenberg angeschlagen haben. Es war der Vorabend des Allerheiligenfestes, an dem viele Menschen in die Kirche strömten. Damit begann eine Erneuerung der Kirche, von der sich die ersten Leser der Thesen Martin Luthers wohl noch keine Vorstellung machen konnten.
Vordergründig ging es um den Missbrauch des Bußsakraments, der durch den Ablasshandel eingetreten war. Das (römisch-katholische) Bußsakrament hat drei Stadien: Reue - Bekenntnis vor dem Priester (Beichte) - Wiedergutmachung. Dieser letzte Teil konnte einem Menschen gegen Zahlung von Geld erlassen („abgelassen") werden.
Martin Luther stellte dagegen: Der Mensch soll in seinem ganzen Leben Gott innerlich zugewandt sein. Davon kann man sich durch nichts freikaufen. Dahinter steht Luthers reformatorische Entdeckung: Gott selbst tilgt in Jesus Christus die Sündenschuld der Menschen. Der Mensch kann nichts tun, er braucht aber auch nichts zu tun, um mit Gott ins Reine zu kommen.

Mit Luthers Thesenanschlag war ein Stein ins Rollen gebracht, der schließlich, gegen den Willen Luthers, zu einer Trennung der Kirche in römisch-katholische und evangelische Kirchen führte. Auch wenn an die Stelle des einstigen, scharfen Gegeneinanders inzwischen die ökumenische Verständigung getreten ist, sind die Kirchen nach wie vor getrennt. Hauptunterschied ist heute nicht ein Missbrauch des Bußsakraments, sondern die in beiden Kirchen unterschiedliche Auffassung von der Rolle der Kirche.
Nachdem schon im 16. Jahrhundert ein Gedenktag für den Beginn der Reformation gefeiert wurde, entweder am 10. November, dem Geburtstag Luthers, oder am 18. Februar, seinem Todestag, ordnete Kurfürst Georg II. von Sachsen 1667 an, den 31. Oktober, den Tag des Thesenanschlags, als Gedenktag der Reformation zu begehen. Dieser Termin hat sich in Deutschland überall durchgesetzt.
In jüngster Zeit ist aus den USA die Sitte zu uns gekommen, am Abend des 31. Oktober Halloween zu feiern. Ausgehöhlte und mit Grimassen verzierte Kürbisse dienen als Beleuchtung, und es wird allerlei Unsinn getrieben. Halloween ist die Verballhornung des Ausdrucks „all-hallows-eve", das bedeutet: Vorabend des Allerheiligentages. Der Allerheiligentag am 1. November wird von den römisch-katholischen Christen gefeiert als Gedenktag für die Märtyrer.