Erntedank

Gerogskirche an Erntedank

Gerogskirche an Erntedank 2013 / 2015 / 2015

Erntedank ist das einzige Fest im Jahreskreis, das sich auf die Natur bezieht: auf  die eingebrachte Ernte. Dabei verbinden sich Erntefest und Dankgottesdienst. Die Gemeinde dankt Gott, der das Leben erhält. „Du lässest Gras wachsen für das Vieh und Saat zu Nutz den Menschen, dass du Brot aus der Erde hervorbringst, dass der Wein erfreue des Menschen Herz", heißt es im Psalm 104. Und der Dichter Matthias Claudius weiß: „Wir pflügen und wir streuen den Samen auf das Land, doch Wachstum und Gedeihen steht in des Himmels Hand." (Evangelisches Gesangbuch 508)
Erntedank wird am Sonntag nach Michaelis (29. September) gefeiert. Vielerorts ist es Brauch, die Kirche mit Erntegaben zu schmücken: Getreide, Gemüse, Obst.

Neben den Dank für das tägliche Brot, für unsere Lebensmittel, tritt die Erinnerung an unsere Verantwortung für die Schöpfung. Nach dem 1. Buch Mose hat der Mensch den Auftrag, die Erde zu bebauen und zu bewahren, damit alle ihre Bewohner bekommen, was sie zum Leben brauchen. So kommt am Erntedankfest die Bewahrung der Schöpfung und die Frage nach der gerechten Verteilung der Güter in den Blick.    
Die Gottesdienst feiernde Gemeinde macht sich an diesem Tag auch bewusst, wie viele Menschen Mangel leiden. Es fehlt an ausreichender Nahrung und sauberem Trinkwasser, an medizinischer Versorgung, an Schulbildung, Ausbildungsplatz, Arbeitsstelle.
Wer am Erntedanktag für Gottes lebenserhaltende Güte dankt, kann das alles nicht verdrängen. Zum Dank an Gott gehört das Denken an den Nächsten nah und fern. Erntedank ist ein Tag der Besinnung auf unsere Verantwortung füreinander.

 

 

Gebete / Biblische Texte / Zum Nachdenken / Gedichte

Gebete

Danke, Gott, für diesen Morgen,
danke, dass du bei mir bist.
Danke für die guten Freunde
und dass du mich nie vergisst.
Danke für die Zeit zum Spielen,
für die Freude, die du schenkst,
und dass du an dunklen Tagen
ganz besonders an mich denkst.
Amen.

Vater, wir leben von deinen Gaben.
Segne das Haus, segne das Brot.
Lass uns von dem, was wir haben,
anderen geben, in Hunger und Not.
Amen.

Alle guten Gaben,
alles was wir haben,
kommt oh Gott von dir,
wir danken dir dafür.
Amen.

 

Biblische Texte

Aus Psalm 104

Lobe den Herrn, meine Seele!
Herr, mein Gott, wie groß bist du!
Du läßt die Quellen hervorsprudeln
in den Tälern, sie eilen zwischen den Bergen dahin.
Allen Tieren des Feldes
spenden sie Trank, die Wildesel stillen ihren Durst daraus.
An den Ufern wohnen die Vögel des Himmels,
aus den Zweigen erklingt ihr Gesang.
Du tränkst die Berge aus deinen Kammern,
aus deinen Wolken wird die Erde satt.
Du läßt Gras wachsen für das Vieh,
auch Pflanzen für den Menschen, die er anbaut, damit er Brot gewinnt von der Erde
und Wein, der das Herz des Menschen erfreut,
damit sein Gesicht von Öl erglänzt und Brot das Menschenherz stärkt.
Du hast den Mond gemacht als Maß für die Zeiten,
die Sonne weiß, wann sie untergeht.
Du sendest Finsternis, und es wird Nacht,
dann regen sich alle Tiere des Waldes.
Die jungen Löwen brüllen nach Beute,
sie verlangen von Gott ihre Nahrung.
Strahlt die Sonne dann auf, so schleichen sie heim,
und lagern sich in ihren Verstecken.
Nun geht der Mensch hinaus an sein Tagwerk,
an seine Arbeit bis zum Abend.
Herr, wie zahlreich sind deine Werke!
Mit Weisheit hast du sie alle gemacht, die Erde ist voll von deinen Geschöpfen.
Ich will dem Herrn singen, solange ich lebe,
will meinem Gott spielen, solange ich da bin.

 

Zum Nachdenken

Samenkörner

Es war einmal ein Mensch, der betrat einen Laden. Er war ganz überrascht, denn hinter der Ladentheke stand ein Engel. Verwirrt fragte er: "Was verkaufen Sie?" "Alles" antwortete der Engel. "Oh, prima", meinte der Mensch und legte los: "Dann hätte ich gern: Gute Freunde, Menschen, die mich verstehen, gute Noten in der Schule, viel Zeit für mich selbst und Frieden für alle Menschen ...."
Der Engel unterbrach ihn: "Entschuldigen Sie, Sie haben mich da missverstanden. Wir verkaufen keine Früchte; wir haben lediglich den Samen . . .!"

 

Wie sagen wir heute (ernte)dank?

Nach wie vor halten Essen und Trinken Leib und Leben zusammen. Aber noch im 19. Jahrhundert haben die Menschen den Wechsel von Saat und Ernte intensiver wahrgenommen. Eine gute Ernte sicherte das Überleben der Familie während des Winters - eine schlechte Ernte konnte den Tod bedeuten. Heutzutage erhält das Erntedankfest durch die Globalisierung und weltweite Handelsbeziehungen andere Schwerpunkte:
Das "Teilen" der Ernte, ein Aspekt der schon immer mit dem Erntedankfest verbunden wurde, rückt mehr in den Vordergrund. Viele Gemeinden gedenken an diesem Tag der hungernden Teile der Weltbevölkerung und sammeln in ihren Kollekten für "Brot für die Welt" oder ähnliche Organisationen.
Es stehen immer mehr ökologische Aspekte im Vordergrund. Die Lebensmittelskandale der vergangenen Jahre machen uns bewußt, dass der Dank für die Ernte verbunden ist mit verantwortlichem ökologischen Handeln. Gesunde, unbedenkliche Lebensmittel sind "Luxusgüter" geworden. Die allgemeinen und weitestgehend selbst verursachten Klimaveränderungen und dadurch vermehrt auftretenden Naturkatastrophen stellen unsere als sicher geglaubte Nahrungs- und Energieversorgung langfristig wieder in Frage.
 

Gedichte

Herbst

Die Blätter fallen, fallen wie von weit,
als welkten in den Himmeln ferne Gärten;
sie fallen mit verneinender Gebärde.

Und in den Nächten fällt die schwere Erde
aus allen Sternen in die Einsamkeit.

Wir alle fallen. Diese Hand da fällt.
Und sieh dir andre an: es ist in allen.

Und doch ist Einer, welcher dieses Fallen
unendlich sanft in seinen Händen hält.

Rainer Maria Rilke



Herbsttag
Herr: es ist Zeit. Der Sommer war sehr groß.
Leg deinen Schatten auf die Sonnenuhren,
und auf den Fluren laß die Winde los.

Befiehl den letzten Früchten voll zu sein;
gieb ihnen noch zwei südlichere Tage,
dränge sie zur Vollendung hin und jage
die letzte Süße in den schweren Wein.

Wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr.
Wer jetzt allein ist, wird es lange bleiben,
wird wachen, lesen, lange Briefe schreiben
und wird in den Alleen hin und her
unruhig wandern, wenn die Blätter treiben.

Rainer Maria Rilke

 


Herbstlieder

Bunt sind schon die Wälder
1. Bunt sind schon die Wälder,
Gelb die Stoppelfelder,
Und der Herbst beginnt.
Rote Blätter fallen,
Graue Nebel wallen,
Kühler weht der Wind.

2. Wie die volle Traube
Aus dem Rebenlaube
Purpurfarbig strahlt!
Am Geländer reifen
Pfirsiche, mit Streifen
Rot und weiß bemalt.

3. Flinke Träger springen,
Und die Mädchen singen,
Alles jubelt froh!
Bunte Bänder schweben
Zwischen hohen Reben
Auf dem Hut von Stroh.

4. Geige tönt und Flöte
Bei der Abendröte
Und im Mondesglanz;
Junge Winzerinnen
Winken und beginnen
Frohen Erntetanz.

Johann Gaudenz
 

Wir pflügen und wir streuen
1. Wir pflügen und wir streuen
Den Samen auf das Land,
Doch Wachstum und Gedeihen
Steht in des Himmels Hand:
Der tut mit leisem Wehen
Sich mild und heimlich auf
Und träuft, wenn heim wir gehen,
Wuchs und Gedeihen drauf.

(Refrain)
Alle gute Gabe
Kommt her von Gott dem Herrn,
Drum dankt ihm, dankt
Und hofft auf ihn.

2. Er sendet Tau und Regen
Und Sonn- und Mondenschein
Und wickelt seinen Segen
Gar zart und künstlich ein
Und bringt ihn dann behende
In unser Feld und Brot:
Es geht durch unsre Hände,
Kommt aber her von Gott.

3. Was nah ist und was ferne,
Von Gott kommt alles her,
Der Strohhalm und die Sterne,
Das Sandkorn und das Meer.
Von ihm sind Büsch und Blätter
Und Korn und Obst, von ihm
Das schöne Frühlingswetter
Und Schnee und Ungestüm.

4. Er läßt die Sonn aufgehen,
Er stellt des Mondes Lauf;
Er läßt die Winde wehen
Und tut die Wolken auf.
Er schenkt uns so viel Freude,
Er macht uns frisch und rot;
Er gibt dem Viehe Weide
Und seinen Menschen Brot.

Matthias Claudius